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Kosten für Heil- und Hilfsmittel weiter stark gestiegen
Berlin - Die Ausgaben der gesetzlichen Kassen für sogenannte Heil- und Hilfsmittel sind einer Studie zufolge im vergangenen Jahr weiter gestiegen.
Von den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Höhe von 175,6 Milliarden Euro entfielen zehn Milliarden Euro auf Krankengymnastik, Logo- oder Ergotherapien sowie technische Hilfen wie Hörgeräte und Rollstühle, wie aus dem in Berlin vorgestellten Barmer-GEK Heil- und Hilfsmittelreport 2010 hervorgeht.
Allein in der Barmer GEK stiegen die Ausgaben für Hilfsmittel um 8,4 Prozent auf 670,7 Millionen Euro, für Heilmittel um 4,3 Prozent auf 618,4 Millionen Euro. Unter den häufigsten Diagnosen finden sich demnach vor allem Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, wovon Rückenbeschwerden rund 47 Prozent ausmachen.
Rund 29 Prozent der Kinder mit entsprechender Diagnose erhalten Physiotherapie, jedes zweite auch Schmerzmittel. Dies mache "stutzig", erklärte Barmer-GEK-Vorstandsvize Rolf-Ulrich Schlenker. Während der Anstieg bei Schulkindern und Teenagern noch mit Bewegungsmangel und Ernährungsgewohnheiten erklärbar sei, seien die unspezifischen Rückenschmerzdiagnosen und Krankengymnastik-Verordnungen bei Kindergartenkindern "höchst fragwürdig".
Auch bei den Hilfsmitteln für Kinder wie Schuheinlagen sieht die Kasse "Tendenzen zur Überversorgung". 2007 habe der Anteil der in der ehemaligen GEK versicherten Kinder bis 13 Jahren mit mindestens einer Einlagen-Verordnung bei 4,9 Prozent gelegen. Allerdings wurde den Angaben zufolge nur bei 1,3 Prozent dieser Kinder tatsächlich ein "Plattfuß" diagnostiziert.
Angesichts der Kostensteigerungen und der wachsenden Zahl von Beschäftigten allein im Bereich der Physiotherapie forderte der Autor der Studie, Gerd Glaeske, mehr Transparenz. Die Wirksamkeit und der Nutzen besonders von Hilfsmitteln bleibe trotz wachsender Bedeutung nach wie vor oft ungeprüft.
Nachholbedarf sieht Glaeske dagegen bei der physiotherapeutischen Versorgung von unheilbar kranken Tumorpatienten. "Am Anfang des Lebens wird Physiotherapie häufig zu schnell eingesetzt, am Ende eines Lebens wird sie dagegen zu sparsam verwendet", kritisierte er. Die Heilmittelversorgung vor dem Tod könne die belastende Situation dieser Menschen erleichtern und sei für die Palliativmedizin unerlässlich.
Der Report wurde von Experten des Zentrums für Sozialpolitik der Universität Bremen im Auftrag der Barmer GEK erstellt.
©AFP 2010
Archivfoto: Joel Saget














