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Dem Klima verpflichtet

Am 29. Januar 2010 bestückten (v. l.) Hans Hamann, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Bielefeld, Friedhelm Rieke, Stadtwerke-Geschäftsführer, Bielefelds Oberbürgermeister Peter Clausen und Wolfgang Brinkmann, Geschäftsführer Stadtwerke Bielefeld, erstmalig den Brennkessel des neuen Holzkraftwerks des Bielefelder Energie- und Wasserversorgers. Bielefeld. Auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke Bielefeld ist das erste Holzkraftwerk Bielefelds in Betrieb gegangen. Klimaneutral wird es bis zu 5,5 Megawatt (MW) Wärmeenergie und 1,2 MW Strom pro Jahr aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz produzieren. Seit 2009 erzeugen die Stadtwerke Bielefeld stadtnah so viel Energie über Wind und Sonne, dass 2.500 Haushalte komplett mit Strom versorgt werden können. Damit nicht genug: 24 Millionen Euro hat der Energiedienstleister in ein ökologisches Energiekonzept investiert. Sobald alle Maßnahmen umgesetzt sind, wird die Quote der Kraft-Wärme-Kopplung in Bielefeld bei 28 Prozent liegen. Das ist ein Spitzenwert in Deutschland.

Im April 2008 stellten die Stadtwerke Bielefeld das neue Konzept vor. Die Kohlekessel ihres Heizkraftwerks gehen altersbedingt Ende 2012 außer Betrieb. Gleichzeitig wächst mit dem Hochschulcampus Bielefeld das Gelände der Universität und der Fachhochschule Bielefeld und die Anforderungen an die Fernwärmeversorgung steigen. Ein umfassendes Konzept mit klarer Schwerpunktsetzung soll schrittweise die Fernwärmeversorgung bis 2030 sicherstellen und die regenerative Strom- und Wärmeerzeugung stärken.
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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Stadtwerke energy camps 2008“ besuchten die Labore des Instituts für Solarenergieforschung in Hameln.Umweltverträglich und klimaneutral
In der geplanten Neuordnung übernimmt das 8,5 Millionen Euro teure Holzkraftwerk, das am 29. Januar 2010 in Betrieb gegangen ist, eine Schlüsselaufgabe. Gleiches gilt für drei Windkraftanlagen von insgesamt 5 MW Leistung und eine Biogasanlage im Bielefelder Westen. Auf den Betriebsgebäuden der Stadtwerke-Verkehrstochter moBiel wurde eine Fotovoltaikanlage mit 2.850 Solarmodulen und einer Spitzenleistung von über 500 Kilowatt errichtet. Knapp 200.000 Kilowattstunden in einem durchschnittlichen Sonnenjahr liefern die insgesamt 1.700 Module auf Süd- und Haupttribüne der Schüco-Arena von Arminia Bielefeld. Flankiert wird das Konzept durch eine höhere Wärmeabnahme von der Bielefelder Müllverbrennungsanlage und den verstärkten Einsatz bestehender gasbefeuerter Kraftwerke.

„Wenn alle Maßnahmen umgesetzt sind, entlasten wir die Stadt um rund 108.000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr“, rechnet Wolfgang Brinkmann, Geschäftsführer Stadtwerke Bielefeld, vor. „Im Vergleich zu 2005 werden wir innerhalb von nur acht Jahren den CO2-Ausstoß der Fernwärmeerzeugung um 65 Prozent verringert haben. Die Quote der Kraft-Wärme-Kopplung liegt in Bielefeld zukünftig bei 28 Prozent. Ziel der Bundesregierung sind 25 Prozent bundesweit.“

Das Holzkraftwerk der Stadtwerke Bielefeld auf dem Betriebsglände an der Schildescher Straße.Energie aus dem Wald
Das Holzkraftwerk, mit dessen Bau erst im März 2009 begonnen wurde, erzeugt in Kraft-Wärme-Kopplung 44.000 Megawattstunden (MWh) Wärme für rund 1.700 Haushalte und 9.000 MWh Strom für etwa 2.500 Haushalte. Herz der Anlage ist ein Brennkessel mit Rostfeuerung. Das Holz, das in dieser Brennkammer verfeuert wird, ist Holz aus der Landschaftspflege oder naturbelassenes, für die Verarbeitung in der Holzindustrie ungeeignetes Waldrestholz aus einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern. Jährlich werden 25.000 Tonnen Holz benötigt – das entspricht der Ladung von fünf LKW mit Anhänger, die in Tageslagerhallen abgeladen wird. Von dort transportiert man das Holz auf den Schubboden, der das Feuer im Brennkessel „füttert“. Das Fassungsvermögen dieses Schubbodens allein reicht, um den Kessel bei voller Leistung etwa drei Tage mit Brennstoff zu versorgen.

Forschung an alternativen Bioenergiekonzepten
Gemeinsam mit der Universität Bielefeld hat die Stiftung der Stadtwerke Bielefeld eine Stiftungsprofessur eingerichtet. Bis 2015 geht es am neu geschaffenen Lehrstuhl „Algenbiotechnologie und Bioenergie“ um die Untersuchung neuer alternativer Bioenergiekonzepte. Schwerpunkte sind dabei die Vermeidung der Nutzung von Nahrungspflanzen zur Energiegewinnung sowie der Einsatz alternativer pflanzlicher Biomassen, insbesondere von Mikroalgen. „Unser neues ökologisches Energiekonzept setzt klare Schwerpunkte bei den erneuerbaren Energien. Da ist es nur konsequent, dass wir auch die Erforschung alternativer Energiekonzepte unterstützen und vorantreiben“, erklärt Wolfgang Brinkmann die Motivation für das Engagement der Stadtwerke. Eine auswärtige Hochschule kam nicht in Frage: „An der Universität Bielefeld gilt die Forschung auf dem Gebiet der Biotechnologie als herausragend und mit dem Centrum für Biotechnologie (CeBiTec) ist die optimale wissenschaftliche Infrastruktur bereits vorhanden.“

So funktioniert das Holzkraftwerk - Ein Brennstoff, doppelt genutzt.
Die heißen Rauchgase, die beim Verbrennen des Holzes entstehen, erhitzen über Rauchgaswärmetauscher in einem Thermoölerhitzer und in einer Reihe von Vorwärmern Thermoöl, das besonders hohe Temperaturen kontrolliert aufnehmen kann. Es erreicht in der Anlage ganze 320 Grad Celsius.

Im „Organic Rankine Cycle“, einem nach seinem Erfinder W. J. M. Rankine benannten Kreislauf zur Energieumwandlung, wird die Wärmeenergie des erhitzten Thermoöls anschließend an ein Öl auf Silikonbasis abgegeben. Die Folge: Das Silikonöl verdampft. Unter Druck wird dieser Silikonöldampf über eine Turbine geleitet, die einen Generator antreibt. Dieser wiederum erzeugt Strom.

Verlässt der Silikondampf die Turbine, ist er immer noch sehr heiß. Diese Restwärme wird in einem nachgeschalteten Rekuperator und Kondensator genutzt, um Fernwärmewasser zu erhitzen. Der Strom wird in das Stromnetz der Stadtwerke und die Wärme in das rund 170 Kilometer lange Fernwärmenetz der Großstadt Bielefeld eingespeist.

Die Rauchgase, die bei der Verbrennung entstehen, werden in mehreren Stufen sorgfältig gereinigt. Bevor sie über den 35 Meter hohen Schornstein schließlich ins Freie gelangen, wird ihre Zusammensetzung ständig analysiert. Die gemessenen Schadstoffkonzentrationen werden online an die Genehmigungsbehörde übertragen.

Energisch für den Klimaschutz: "Bielefeld will’s wissen“
Bis zum Jahr 2020 will die Stadt Bielefeld die ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen, 40 Prozent Kohlendioxid einzusparen und 20 Prozent erneuerbare Energien zu nutzen. Dazu hat sich der Rat der Stadt Bielefeld am 20. September 2007 verpflichtet. Die Umsetzung des „Handlungsprogramms Klimaschutz“ erfolgt in einem kontinuierlichen Prozess.

Die Akteure, die sich in Bielefeld für ein besseres Klima engagieren, sind so zahlreich wie die Maßnahmen. „Bielefeld bewegt“ stellt eine Auswahl von Initiativen und Projekten vor:

Kosten senken, Umwelt entlasten
Im bundesweiten Programm ÖKOPROFIT war Bielefeld eine der Vorreiterkommunen. Bis Juni 2009 haben sich 59 Bielefelder Unternehmen zum ÖKOPROFIT-Betrieb zertifizieren lassen. Im Oktober 2009 startete die sechste Runde.Externer Link www.oekoprofit-nrw.de

Jeder ist ein Klimaretter
Die „KlimaKampagne Bielefeld will’s wissen“ animiert alle Bürgerinnen und Bürger, über Einsparung, Effizienz und erneuerbare Energien ihre persönliche Energiewende einzuleiten. Einer der Bausteine ist der Bielefelder Mobilitätskalender, der über einen Zeitraum von drei Monaten den Verzicht aufs Auto nachweist und mit attraktiven Preisen belohnt.Externer Link www.bielefeld-wills-wissen.de

Netzwerk der Praktiker: KlimaTisch Bielefeld e. V.
Ende 2009 formierte sich der „KlimaTisch Bielefeld“, ein Netzwerk von Praktikern für Energie-Effizienz und Klimaschutz. Mitglieder sind Vertreter aus den Bereichen Energieberatung, Baubiologie, Architektur, Ingenieurwesen, Zimmerei, Dachdecker- sowie Malerhandwerk, Solartechnik, Heizung / Sanitär und Finanzen. Gemeinsam haben sie sich zum Ziel gesetzt, mehr Aufmerksamkeit für die wichtigen Zukunftsthemen Energieeinsparung, Klimaschutz, CO2-Reduktion sowie nachhaltiges Sanieren und Bauen zu schaffen, zum Handeln zu motivieren und damit lokale Klimaschutzziele zu unterstützen. Externer Link www.klimatisch-bi.de

Angeregt wurde die Gründung des KlimaTisches durch die „Bielefelder Initiative für Zukunftsenergien und Energieeffizienz (BIZE)“, ein Netzwerk für den kommunalen Klimaschutz unter Moderation der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld mbH (WEGE). Die BIZE definiert Klimaschutz als Aufgabe, der sich Wirtschaft, Wissenschaft, Städte und Gemeinden gemeinsam stellen müssen. Externer Link http://www.wege-bielefeld.de

Energetische Sanierung
Mit der Einführung eines „Klimabonus“ bei Unterkunftskosten hat Bielefeld 2007 bundesweit eine Vorreiterrolle eingenommen. Die Bemessungsgrößen bei den Kosten der Unterkunft für Transferleistungsempfänger sind deutlich erhöht worden.

Voraussetzung für die Berücksichtigung höherer Quadratmeterpreise ist eine energetische Gebäudesanierung und der entsprechende Nachweis durch einen Gebäudeenergieausweis. Je geringer der dort dokumentierte Energieverbrauch ist, desto höher darf die Kaltmiete sein. Der Bielefelder Klimabonus belohnt somit Hauseigentümer, die ihren Wohnungsbestand energetisch sanieren und erschließt ALG II-Empfängern neue Marktsegmente – das qualitativ hochwertige Wohnungsangebot für die knapp 18.000 Bedarfsgemeinschaften in Bielefeld wird sich perspektivisch vergrößern und über die Gesamtstadt verteilen.

Für die Stadt Bielefeld bleiben die gesamten Kosten der Unterkunft gleich, da die höhere Kaltmiete durch geringere Heizkosten kompensiert wird. Externer Link www.bielefeld.de

Fachkräftenachwuchs für energietechnische Berufe
Energie Impuls OWL e. V., das über 100 Mitglieder starke Netzwerk für Zukunftsenergien mit Sitz in Bielefeld, setzt sich durch gezielte Initiativen für eine Energiekompetenzregion Ostwestfalen-Lippe ein. Einer der Aktionsschwerpunkte: In Bildungspartnerschaften mit den Hochschulen der Region, den Agenturen für Arbeit, dem VDI Verein Deutscher Ingenieure, Schulen, Unternehmen und Initiativen führt Energie Impuls OWL jährlich über 40 Projekte für den Fachkräftenachwuchs durch.

Aktionen wie das „Stadtwerke energy camp“ oder der „Bobby Car Solar Cup“ in Kooperation mit der WEGE mbH steigern das Interesse junger Menschen an Energietechnologien in OWL. Mit dem Projekt „ME:Energy – Mädchen für Erneuerbare Energien“ werden im Auftrag des Bundesumweltministeriums Konzepte entwickelt, um mehr Mädchen für die interessanten energietechnischen Berufe zu gewinnen. Externer Link www.energie-impuls-owl.de

Nachhaltig studieren
Seit 1999 bietet die Fachhochschule Bielefeld im Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik den Bachelor-Studiengang „Regenerative Energien“ an. Neben klassischen ingenieurwissenschaftlichen und elektrotechnischen Grundlagenfächern erhalten die künftigen Ingenieurinnen und Ingenieure in sieben Semestern interdisziplinäre Einblicke in Energie- und Klimaschutzpolitik, Betriebswirtschaft, Marketing und Projektmanagement. Externer Link www.fh-bielefeld.de

Bild oben:
Am 29. Januar 2010 bestückten (v. l.) Hans Hamann, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Bielefeld, Friedhelm Rieke, Stadtwerke-Geschäftsführer, Bielefelds Oberbürgermeister Peter Clausen und Wolfgang Brinkmann, Geschäftsführer Stadtwerke Bielefeld, erstmalig den Brennkessel des neuen Holzkraftwerks des Bielefelder Energie- und Wasserversorgers.

Bild Mitte:
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Stadtwerke energy camps 2008“ besuchten die Labore des Instituts für Solarenergieforschung in Hameln.

Bild unten:
Das Holzkraftwerk der Stadtwerke Bielefeld auf dem Betriebsglände an der Schildescher Straße.
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