Ev. Johanneswerk klagt gegen Pflegekassen
Bielefeld/NRW - Eine 2,0 vom sogenannten Pflege-TÜV ist ein gutes Ergebnis für ein Altenheim – besonders dann, wenn die Heime im Landesdurchschnitt die Note 2,4 erhalten haben. Doch was passiert, wenn sich der Landesdurchschnitt auf 1,6 verbessert? Wie viel ist die 2,0 dann noch wert?
Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) berechnet ebendiesen Landesvergleichswert und stellt ihn den einzelnen Prüfergebnissen gegenüber. Das Ev. Johanneswerk, einer der großen diakonischen Träger Europas, hat nun gegen das Verfahren rechtliche Schritte eingeleitet. „Der MDK vergleicht hier Äpfel mit Birnen“, erklärt Dr. Bodo de Vries, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Ev. Johanneswerks. „Die Note des Heims hat unter Umständen eine ganz andere Grundlage als die Vergleichsnote.“
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Der Hintergrund: Der Landesvergleichswert berechnet sich jeweils aus den Prüfergebnissen der letzten zwölf Monate. In der Praxis gelingt es dem MDK jedoch nicht, alle Einrichtungen innerhalb eines Jahres zu prüfen. Dies hat zur Folge, dass alle Pflegeeinrichtungen ein Jahr nach ihrer Prüfung aus der Berechnung des Landesdurchschnitts herausfallen. Trotzdem werden ihre älteren Noten dem neueren, stets verbesserten Vergleichswert im Internet gegenübergestellt. „Viele Einrichtungen werden hierdurch im zeitlichen Verlauf systematisch benachteiligt. Der Verbraucher wird getäuscht“, so Dr. de Vries.
Ziel: transparente und faire Vergleichsgrundlage
Dass das Verfahren zur Erhebung der Landesvergleichswerte offenbar gravierende methodische Mängel aufweist, hat das Ev. Johanneswerk in einer wissenschaftlichen Analyse festgestellt. „Bei unserer Klage geht es uns nicht darum, die Veröffentlichung einzelner Prüfergebnisse zu verhindern“, betont de Vries. „Unser Ziel ist es, die derzeitige Praxis der Notenberechnung auf den Prüfstand stellen zu lassen und für alle Einrichtungen und Verbraucher zu einer transparenten und gerechten Vergleichsgrundlage zu kommen.“
Das Ev. Johanneswerk betreibt 32 stationäre Alteneinrichtungen in ganz Nordrhein-Westfalen. Im Durchschnitt der Prüfungen aus den letzten zwölf Monaten erreicht das Ev. Johanneswerk eine Pflegnote von 1,4; unter Berücksichtigung aller derzeit gültigen Ergebnisse seit Juli 2009 eine Note von 1,6. Von der nach Ansicht des Ev. Johanneswerks unzulässigen Darstellung sind derzeit sieben Pflegeeinrichtungen des Trägers betroffen.
Eine faire und statistisch zulässige Alternative besteht nach Vorschlägen des Johanneswerks darin, einen Landesvergleichswert auf der Grundlage aller gültigen Prüfungen zu berechnen. Die Gesamtnoten der Einrichtungen blieben darin so lange enthalten, bis sie durch neue Prüfergebnisse ersetzt werden. „Wird das derzeitige Verfahren hingegen beibehalten, muss der Landesreferenzwert entweder nach Ablauf von zwölf Monaten aus den älteren Transparenzberichten entfernt werden oder es wird ausschließlich derjenige Referenzwert im Transparenzbericht abgebildet, der zum Zeitpunkt der Prüfung Gültigkeit besaß“, erläutert de Vries.
Die Methode des sogenannten Pflege-TÜVs wird seit langem bemängelt. Auch das Ev. Johanneswerk fordert eine fundierte Überarbeitung des Erhebungsverfahrens, damit die Lebensqualität von Heimbewohnern stärker als bislang in den Prüfungen berücksichtigt werden kann. Dies entspricht auch dem ursprünglichen Willen des Gesetzgebers.
Bild:
Foto: Hilla Südhaus
Informationen zum Ev. Johanneswerk
Das Ev. Johanneswerk e.V. ist einer der großen diakonischen Träger Europas mit Sitz in Bielefeld. Rund 6.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in mehr als 70 Einrichtungen tätig. Die diakonischen Angebote richten sich an alte, kranke und behinderte Menschen, Kinder und Jugendliche und schließen die offene diakonische Arbeit im Kirchenkreis Bielefeld ein. Gegründet wurde das Werk 1951. Der Vorsitzende des Vorstands ist Pastor Dr. Ingo Habenicht, sein Stellvertreter Dr. Bodo de Vries.









