11. Grüner Salon: "Lohnt sich der Niedriglohn?"
Bielefeld - Bis zum letzten Platz gefüllt war der Vortragssaal im Historischen Museum zum inzwischen 11. Grünen Salon der Böll-Stiftung NRW.
Zum Thema „Lohnt sich der Niedriglohn“ hatte der Bielefelder Trägerkreis den katholischen Sozialethiker und Jesuiten Professor Friedhelm Hengsbach, sowie Thorsten Kalina, Mitarbeiter des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg, gewonnen.
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Nach einer Einführung von Professor Jürgen Feldhoff und den anschließenden Referaten diskutierten die beiden Moderatoren Professor Eckhard Dittrich und Anke Schmidt, Geschäftsführerin der Kurz Um-Meisterbetriebe, mit Referenten und Publikum die Frage, wie der Niedriglohn-Sektor sich auf die gesamte Gesellschaft auswirkt und wie dem politisch entgegen gewirkt werden kann.
Als Niedriglohn gilt wissenschaftlich ein Wert von weniger als dem Medianwert von 9,15 Euro - dem Wert, bei dem die Hälfte der Arbeitseinkommen darüber und die andere Hälfte darunter liegen. Ab der Altersklasse von über 25 Jahren bewegt sich durchgängig in allen Altersklassen bis zur Rente ein Anteil von rund 20 Prozent im Niedriglohn-Sektor.
Keineswegs arbeiten die Betroffenen überwiegend in Mini- oder Teilzeitjobs: 40 % haben eine Vollzeitstelle und müssen trotzdem zusätzlich Arbeitslosengeld II beantragen. Über 300.000 solcher Aufstocker arbeiten in einem Vollzeitjob. Die jährlichen staatlichen Leistungen für diese betragen 11 Milliarden Euro – denn fast 8 Millionen Menschen arbeiten inzwischen in Deutschland im Niedriglohnsektor. Diese brauchen theoretisch für sich jeweils 64 Arbeitsjahre, um eine Rentenniveau über dem ALG II-Niveau zu erhalten. Ihre Arbeit ergibt also persönlich keinen Nutzen für ihre Rente.
Die derzeitigen Positiv-Marker der Wirtschaft und des Staates sind geprägt durch Börsen im Aufwind, gefüllte Auftragsbücher, sprudelnde Steuereinnahmen, Rückgang der Arbeitslosigkeit, steigende Inlandsnachfrage und boomenden Export. Neben diesen Effekten nimmt parallel der Niedriglohnsektor und die Armut zu – Ursache oder Wirkung?
Staatliche Transferleistungen in zweistelliger Milliardenhöhe stützen diese Zustände für die Wirtschaft ab und machen sie zur Dauererscheinung, während gleichzeitig die Mittel der Förderung für Langzeitarbeitslose und arbeitslose Jugendliche dramatisch gestrichen werden.
Niedriglöhne existieren vor allem im Handel, im Gastgewerbe und im Pflegebereich, also typischerweise in Bereichen mit einem hohen Frauenanteil – und ausnahmslos keinen Bereichen, bei denen etwa eine Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland droht. 
Solche Zustände sind nicht mit Vorstellungen von Menschenwürde, Teilhabegrechtigkeit und einer lebenswerten Gesellschaft für alle vereinbar, so sahen es zumindest die Beteiligten in der lebhaften Diskussion beim Grünen Salon. Doch welche Maßnahmen können helfen?
Soziale Themen sind derzeit nicht allzu populär und unter dem Damoklesschwert der leeren öffentlichen Kassenschwer oft schwer zu verteidigen. Viel diskutiert wurde die Forderung nach einem flächendeckenden Mindestlohn. Etliche Wortbeiträge machten aber auch deutlich, dass das Instrument nicht überbewertet werden kann.
Keine politischen Veränderungen ohne politischen Druck - und so sollte dies wohl nicht der letzte Grüne Salon zur Sozialpolitik gewesen sein, waren sich Veranstalter und Publikum einig.
Informationen zum Grünen Salon unter www.boell-nrw.de/web/gruener-salon.html
Bild:
v.l.n.r.: Anke Schmidt, Friedhelm Hengsbach, Thorsten Kalina, Eckhard Dittrich









