NRWGesundheitsministerin informierte sich im Johanneswerk
Bielefeld - Wie kann man die Zukunft der Altenpflege gestalten? Um über die Erkenntnisse und Impulse eines großen Trägers zu diskutieren, besuchte NRWGesundheitsministerin Barbara Steffens am Freitag das Ev. Johanneswerk an seinem Hauptsitz in Bielefeld.
Das diakonische Unternehmen, das in ganz NRW etwa 3.500 Bewohner in stationären Einrichtungen betreut sowie 1.500 Menschen in acht Wohnprojekten ambulant versorgt, bringt seine Erfahrungen bei einer geplanten Novellierung des Wohn‐ und Teilhabegesetzes ein.
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Für den Besuch entschied sich Ministerin Steffens, nachdem das Johanneswerk ihr eine Untersuchung über die Regelprüfungen in Alteneinrichtungen zur Verfügung gestellt hatte. „Nach unseren Ergebnissen ergeben sich große Bedenken hinsichtlich der Regelmäßigkeit und inhaltlichen Vergleichbarkeit der Prüfungen“, erklärt Dr. Bodo de Vries, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Johanneswerks. „Eine Vergleichbarkeit zwischen Heimen kann so nicht gewährleistet werden.“ Aus Sicht des Trägers heißt das, dass die Prüfberichte derzeit noch nicht veröffentlicht werden können.
Umsetzung des Prüfkatalogs läuft stockend
Der Hintergrund: In NRW wurde 2008 das Wohn‐ und Teilhabegesetz (WTG) verabschiedet, das Regelungen zum Schutz von Heimbewohnern umfasst. Das Gesetz sieht vor, dass Einrichtungen der Alten‐ und Behindertenhilfe einmal im Jahr von den Kommunen überprüft werden. Ziel der Überprüfungen ist es, landesweit eine Vergleichbarkeit der Heime herzustellen und Transparenz zu schaffen. Hierfür steht ein Leitfaden, der sogenannte Rahmenprüfkatalog, zur Verfügung.
„Die Umsetzung dieses Rahmenprüfkatalogs läuft stockend“, fasst Dr. de Vries die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. Als besonderen Schwachpunkt betrachtet er die Prüfungshäufigkeit: „Viele unserer Einrichtungen werden nicht so regelmäßig geprüft, wie die gesetzlichen Vorgaben es vorsehen.“ Die Ergebnisse der Untersuchung formuliert das Johanneswerk jedoch nicht als Kritik. „Sie sind Anstoß zur Weiterentwicklung“, so Dr. de Vries. „Das Johanneswerk möchte seine Erfahrungen einbringen, seine Verantwortung wahrnehmen und einen Beitrag leisten zum gemeinsamen Fortschritt.“
Für das Ministerium ist das Johanneswerk ein interessanter Gesprächspartner: Mit seinen Einrichtungen an verschiedenen Standorten in ganz NRW kann der Träger auf repräsentative Prüfergebnisse zurückgreifen. Ministerin Steffens betonte, dass die Ergebnisse der Studie den auch von ihrem Ministerium festgestellten Überarbeitungsbedarf bestätigen: „Das WTG hat richtige Zielsetzungen, aber in der Umsetzung muss einiges so schnell wie möglich optimiert werden. Wir werden hierzu als Landesregierung in Kürze Eckpunkte vorlegen. Die konkreten Erfahrungen eines so etablierten Trägers wie des Johanneswerks können uns dann im weiteren Gesetzgebungsverfahren sicher noch viele gute Anstöße geben."
Neue Möglichkeiten der Versorgungssicherheit
Weiteres Thema auf der Agenda der Ministerin bei Ihrem Besuch war die Mitgliedschaft des Johanneswerks im Netzwerk: Soziales neu gestalten (SONG). Der Zusammenschluss verschiedener Akteure der Sozialwirtschaft setzt sich ein für die zukunftsfähige Ausrichtung der Altenhilfe. „Der demografische Wandel bedeutet für uns: mehr pflegebedürftige Menschen, aber weniger Personal. Deshalb erarbeiten wir neue Möglichkeiten der Versorgungssicherheit“, so Dr. de Vries.
Die acht Wohnprojekte von „Johanneswerk im Stadtteil“ beispielsweise ermöglichen Selbstbestimmung und Lebensqualität bis ins hohe Alter: Inmitten einer Gemeinschaft und ihres vertrauten Viertels können pflegebedürftige Menschen hier ihr Leben individuell gestalten und Hilfsangebote bei Bedarf rund um die Uhr nutzen. „SONG macht genau das, was wir mit unserer Politik erreichen wollen“, erklärte Ministerin Steffens, „den Menschen und die Versorgungsstruktur in seinem Quartier in den Blick nehmen und durch eine gemeinsame, altersgerechte Gestaltung der Quartiere mit der Verzahnung vieler Akteurinnen und Akteure und Leistungsanbieter unsere Kommunen wirklich demographiefest machen."
Daneben diskutierten Barbara Steffens und Dr. Bodo de Vries sowie die weiteren Gäste Günter Garbrecht (Mitglied des Landtags und Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales) und Ulrich Christofczik (Diakonisches Werk Rheinland‐Westfalen‐Lippe) über die Pflege‐Reform 2012. „Wir gehen nicht davon aus, dass der Referentenentwurf zum Gesetz zur ‚Neuausrichtung der Pflegeversicherung’, der im Januar vorgelegt wurde, eine tatsächliche Neuausrichtung darstellt“, betonte de Vries und kündigte eine Stellungnahme des Johanneswerks zu dem Entwurf an.
Bild oben links: NRWGesundheitsministerin Barbara Steffens informierte sich bei Dr. Ingo Habenicht (r., Vorstandsvorsitzender Johanneswerk) und Dr. Bodo de Vries (stellvertretender Vorstandsvorsitzender) über die Erfahrungen des Ev. Johanneswerks. (Foto: Christian Weische)
Das Ev. Johanneswerk ist einer der großen diakonischen Träger Europas mit Sitz in Bielefeld. Rund 6.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in mehr als 70 Einrichtungen tätig. Die diakonischen Angebote richten sich an alte und kranke Menschen sowie Menschen mit Behinderung, Kinder und Jugendliche. Gegründet wurde das Werk 1951. Der









